Wer Schmetterlinge lachen hört…

Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein, ungestört der Furcht, die Nacht entdecken.

Der wird zur Pflanze, wenn er will, zum Stier, zum Narr, zum Weisen
und kann in einer Stunde durchs ganze Weltall reisen.

Der weiß, dass er nichts weiß, wie alle anderen auch nichts wissen.
Nur weiß er, was die anderen und auch er selbst noch lernen müssen.

(Novalis – gekürzt)

Wer einmal schwer erkrankt war und sich mühsam wieder ins Leben zurückkämpft, sieht Menschen und Umwelt bewusster an; begreift den schmalen Grat zwischen Normalsein und Behindertsein. Und lernt neue Dinge kennen. So hatte beispielsweise die Evangelische Studenten-Gemeinde in Jena eine Patenschaft mit dem Anna-Luisen-Stift in Bad Blankenburg Hier halfen wir oft an freien Wochenenden aus: reinigten die Zimmer, wuschen und fütterten die Kinder und Jugendlichen, gingen mit ihnen spazieren.

Um 1970 war es nicht selbstverständlich, dass sich geistig Behinderte in der Öffentlichkeit zeigten. Man musste mit vielen Vorurteilen rechnen. Vielleicht war dies auch der Beweggrund, dass ich zehn Jahre später dieses Heim wieder besuchte und fotografierte. Ziel war zunächst eine Fotoausstellung über geistig Behinderte, die helfen sollte, Vorurteile abzubauen und Verständnis zu fördern. Geistige Behinderung schließt nicht aus, dass der Mensch Neues lernt, dass er seine Fähigkeiten entdeckt, angeleitet von sachkundigen Erziehern. Jede zielgerichtete Aktivität , so gering sie auch erscheinen mag, ist ein Erfolg.

Die Bilder sollen den Betrachter anregen, sich Zeit zu nehmen und „hineingehen“, Anteil haben an der Freude und Anstrengung, am Stolz auf die geleistete Arbeit, auf das Gelingen einer Tätigkeit, aber gleichzeitig auch die Traurigkeit und Fremdheit erkennen.

Die Fotos entstanden in verschiedenen Einrichtungen der evangelischen Diakonie in der DDR und wurden 1984 Teil des Buches „Verstehen und Fördern“ von Joachim Petzold.

 

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