Die Zeit im Raum

Neuseelands Landschaft ist von magischer Schönheit und nicht enden wollender Vielfalt. Vor allem zu Beginn des Winters, wenn dichte Nebel über die Ebenen rollen und alles unter einer mystischen Decke verbergen. Es ist kalt und der Frost verhüllt die Gräser. Wenn die ersten Sonnenstrahlen genügend Wärme entfalten, steigen Wassertröpfchen empor. Öffnen sich dann die Schleier für kurze Momente, so ahnt das Auge nie gesehene Schönheit und der Drang, das Unsichtbare zu entdecken, ist unstillbar. Und genau hier werden die Grenzen sichtbar in den Nebelbildern. An diesen Grenzflächen zwischen Erde, Himmel, Feuer und Wasser verändert sich die Landschaft. Sie ist jedes Mal neu und doch jedes Mal anders. Und an diesen stillen Tagen spürt man die gewaltige Kraft der Natur.

Schon zu Beginn der Reise in die westlichen Nationalparks der USA kannten wir scheinbar alle Flecken, die wir fotografieren wollten. Und doch war alles anders, als wir mit Jeep und Schlafsack in diese grandiose Landschaft rund um den Colorado River eintauchten, uns treiben ließen und die Einmaligkeit der Formen und Farben genossen. So sahen wir einen Regenbogen kurz vor Sonnenuntergang im Death Valley, einem der trockensten Orte auf unserem Planeten, das Widerspiel von Himmel und Erde am Zabriskie Point zur blauen Stunde, die Brainrocks bei White Pocket mit ihrem weißen Überzügen, die an eine Marslandschaft erinnern und nicht zu vergessen, die filigranen, äußerst zerbrechlichen Sandsteinformationen bei Coyote Buttes South, kurz nachdem der Vollmond hinter den Wolken hervorkam. Es war der Blue Moon, also der zweite Vollmond in einem Monat, und dieser gab den rötlich-gelb schimmernden Sandsteinformationen etwas zauberhaft Mystisches. Und plötzlich verstanden wir, weshalb die Indianer dieses Gebiet als heilig erklärten. Wir spürten die tiefe Stille und den Frieden an diesem Ort, begrenzt von einer schier grenzenlosen Freiheit. Angehaltene Zeit, eingefroren in der Bewegung.