Je später der Abend

Spätverkaufsstellen oder Spätis, wie sie einfach heißen, wurden in der DDR für Schichtarbeiter eingerichtet, damit man sich auch nach dem gesetzlichen Ladenschluss von 18:00 Uhr noch schnell eine Milch oder ein Bier holen konnte. Heute haben sich die Spätis zumindest in Dresden zur Eckkneipe, zum Nachbarschaftstreff und zum Laden für kleine Einkäufe entwickelt.

Jeder Späti pflegt seine ganz eigene Individualität. Alle Läden sind zwar klein, aber fein und haben ein Wohnzimmer-Feeling. So verkauft zum Beispiel der Späti Bio7 im Scheunenhofviertel alle Waren in kontrolliert ökologischer Qualität. Obst, Gemüse, Saft und natürlich Bier. Die Preise stehen zwar in Konkurrenz zur Bio Company, aber den Ort verbindet weit mehr. Für die Besitzer Ulli und Alfred ist es ein Treffpunkt für die Nachbarschaft. Jeder kennt jeden und man trifft sich für einen schnellen Plausch oder ein schnelles Bier oder hütet mal kurz die Kinder.

Billiger dagegen ist das Bier im Späti RO31 in der Rothenburger Straße. Jürgen eröffnete diesen Laden 2015 und zieht nicht nur Touristen an, sondern auch Nachbarn, die sich den Weg zum nächsten Netto sparen wollen. Das Sortiment ist eigentlich wie in jedem anderen Späti. Es gibt neben Bier, Wein Whisky, Gin auch Süßigkeiten, Hygieneartikel, Suppentüten, Hundefutter und natürlich Zigaretten. Gleich um die Ecke ist in der Luisenstraße der Spätshop "Kecha" der große Treffpunkt für viele Studenten aus den nahegelegenen Straßen der Äußeren Neustadt.

Jeder Späti hat sein Stammpublikum und man kennt sich. Im Hecht in der Fritz-Reuter-Straße sitzen Menschen aller Couleur, reden, trinken Bier oder spielen Kniffel. Gleich um die Ecke in der Fichtestraße stehen 50 Sorten kaltes Bier und die gleiche Anzahl an Sekt, Wein und Zigaretten für die Community bereit. Für frischen Wind und Power sorgt Kevin, der den Laden im Februar vergangenen Jahres von seinem Schwiegervater übernahm.